Erlaubst Du Dir zu brauchen?

Gehörst Du auch zu den Menschen, die anderen alles von sich geben können bis zur völligen Selbstaufgabe? Aber wenn es dann ums Annehmen geht, wird es schwierig? Ist es Dir peinlich, etwas von anderen zu bekommen, wenn Du nicht sofort etwas dafür zurückgeben kannst? Wahrscheinlich wechselst Du dann zwischen diesen beiden Zuständen: Im ersten Zustand – ich nenne ihn mal die Geber-Energie – ist Dein Herz ganz weit für Dein Gegenüber geöffnet, Du gibst voller Liebe und Freude. Dabei nimmst Du Dich selbst nur sehr wenig wahr, Deinen eigenen Körper spürst Du kaum.

Vielen, die in helfenden oder heilenden Berufen arbeiten ist dieser Zustand sicher sehr vertraut. In den zweiten Zustand – ich nenne ihn die Autonomie – kommst Du meistens dann, wenn Du zu lange und zu viel in der Geber-Energie warst. Du machst zu, ziehst Dich in Dich selbst zurück und findest wieder zu einer guten Selbstwahrnehmung. Du spürst Dich und Deinen Körper, aber Du bist nach außen sehr klar abgegrenzt und Dein Herz ist verschlossen.

 

Natürlich kannst Du ewig zwischen diesen beiden Zuständen hin und her wechseln, viele tun das seit Jahrzehnten. Aber die Folge davon ist entweder Erschöpfung oder Einsamkeit, je nachdem welcher der beiden Zustände Dir leichter fällt. Und bei den meisten, die das schon etliche Jahre so leben stellt sich gerade eine tiefgreifende Frustration ein. All die Jahre hast Du so viel gegeben und nichts zurück bekommen. Du hast immer gehofft, dass auch mal jemand für Dich da ist, wenn Du immer für andere da bist. Aber letztendlich bist Du nur auf Dich gestellt. Die Lösung liegt darin, nicht mehr zwischen Geben und Autonomie zu wechseln, sondern einen dritten Zustand zu erreichen, der Dir ermöglicht, bei Dir zu bleiben, Dich zu spüren und trotzdem Dein Herz zu öffnen. Er heißt: Ich brauche Dich. Ja, ich weiß, dass da bei vielen von Euch die Alarmglocken losgehen. Brauchen verbinden wir mit Hilflosigkeit, mit Abhängigkeit und mit ganz viel Enttäuschung, weil sowieso nie jemand da war, wenn wir etwas gebraucht haben. Vielen von uns war es als Kind schon nicht erlaubt die Mutter zu brauchen, weil sie überfordert war oder viel zu tief in ihren eigenen Themen, um uns viel zu geben. Trotzdem. “Ich brauche Dich” ist der Weg zu all dem, was Du Dir schon so lange wünscht.

Verbundenheit. Nähe. Offenheit. Fülle. Geborgenheit.

 

Wenn Du spürst, was Du brauchst, bist Du ganz bei Dir. Es ist ja DEIN Brauchen, dass Du da wahrnimmst, nicht das Deines Gegenübers. Und trotzdem öffnest Du Dein Herz ganz weit. Für das, was Dein Gegenüber zu geben hat. Für das, was Du gerade jetzt in diesem Moment von ihm brauchst. Und wenn ich von brauchen spreche, rede ich nicht von etwas langfristigem, einengenden oder forderndem. Vergiss einfach mal Sätze wie „Ich kann ohne Dich nicht leben“, wenn Du ans brauchen denkst. Ich will Dich nicht dazu animieren, Deine Eigenständigkeit aufzugeben und Dich von anderen Menschen völlig abhängig zu machen. Brauchen hier und jetzt im Augenblick heißt einfach nur wahrzunehmen, welches Bedürfnis gerade in mir lebendig ist. Und mein Herz dafür zu öffnen, dieses Bedürfnis erfüllt zu bekommen. Und wenn es nicht der Mensch ist, der Dir gerade gegenübersitzt, der Dir dieses Bedürfnis erfüllen kann, dann wird es ein anderer sein. Du machst Dich durch dieses Brauchen nicht abhängig. Aber Du gibst Dir die Möglichkeit genährt zu werden.  

 

Hab ich Dich neugierig gemacht? Dann lade ich Dich zu einer kleinen Übung ein.

 

ÜBUNG: Setz Dich vor eine besonders schöne Pflanze. Das kann ein Baum sein, eine Zimmerpflanze, die Du gerne magst oder eine besonders schöne Blume irgendwo am Wegrand. Schau diese Pflanze an und sage (laut oder auch nur innerlich) zu ihr: Ich brauche Dich. Spür, was es mit Dir macht. Spürst Du ein Ziehen im Herzchakra, ein Strömen? Vielleicht sogar schmerzlich? Oder verschließt sich etwas in Dir? Verändert sich die Pflanze dadurch, wenn Du sie ansiehst? Nimm es einfach nur wahr und sitze eineWeile in diesem Gefühl. Und dann nimm wahr, ob von der Pflanze eine Reaktion, vielleicht sogar eine Antwort kommt. Stell Dir vor, dass die Anwort ein „Ich bin da“ ist. Wie fühlst Du Dich damit?

 

Übe das immer wieder mal, um dich an dieses Gefühl zu gewöhnen. Du kannst diese Übung auch mit Mutter Erde, die Dich trägt, machen. Und wenn Du Dich daran gewöhnt hast, kannst Du es mit einer Freundin oder sogar Deinem Partner probieren. Schau ihr/ihm in die Augen und sage „Ich brauche Dich“ und beobachte, was passiert. Und bitte Dein Gegenüber mit „Ich bin da.“ zu antworten. Nimm wahr, was Du fühlst und wie sich Eure Verbindung dadurch ändert.  

 

Die Zeit der isolierten Einzelkämpfer auf dieser Welt geht zu Ende. Weil die Isolation in die Opferhaltung führt und langfristig immer zur Ausbeutung, und wenn es nur energetisch ist. Wenn wir uns lange nicht erlauben, etwas oder jemanden zu brauchen, sind wir irgendwann so ausgehungert, dass wir entweder versuchen, es gewaltsam zu bekommen, oder wir versinken im Frust darüber, dass das Leben so grausam zu uns ist, uns genau das vorzuenthalten, was wir brauchen. Aber was, wenn wir es nur deshalb nicht bekommen, weil wir uns das brauchen nicht erlauben?

 

Kennst Du den schönen Spruch: „Jeder bekommt das, was er braucht?“ Was, wenn das eines der universellen Gesetze wäre? Wenn er wahr wäre? Wenn Du all das bekommen könntest, was Du Dir zu brauchen erlaubst? Wie oft hast Du schon gesagt: „Ich brauche eh keine Reichtümer, aber genug um zu überleben“? Und was habt Du bekommen? Gerade genug, um zu überleben? Warum wundern wir uns, dass wir alles alleine tun müssen, wenn wir ständig sagen: „Ich brauche eh niemanden“? Die Welt braucht Menschen, die den Mut haben, sich gegenseitig zu brauchen. Lasst uns hier und heute damit anfangen. :)  

 

Text: Petrina Polt www.kartenberatung.at 2015

 

Bildquelle: https://andersmensch.wordpress.com/tag/seelenpartnerschaft/

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Kommentare: 1
  • #1

    Heidi (Sonntag, 26 Juni 2016 22:07)

    Sehr schöner Text. Danke_♡