Blodeuwedd - Verrat

Aus Blumen wurde ich gezeugt,

geschaffen zum Vergnügen – 

Llew Lwaw Gyffes ward ich zur Frau gegeben.

Wir waren glücklich

und verbrachten viele Stunden

beim Liebesspiele.

Bis er eines Morgens fortzog,

zum Hof des höchsten Königs.

Am gleichen Tag kam ein anderer des Wegs:

Und es war er, den ich begehrte.

Seine Liebkosungen waren süßer,

seine Männlichkeit stärker,

und er versprach, mich niemals zu verlassen…

Ich konnte nicht ohne ihn leben.

Gemeinsam besiegelten wir den Tod meines Gatten

Und ein Jahr später wurde es zur Tat.

Obwohl wir glaubten, wir hätten Llew getötet, 

kehrte er das Jahr darauf zurück

und brachte meinen Liebsten ums Leben.

Ich rannte weg und wollte flüchten,

aber die donnernden Hufe meiner Verfolger

holten mich ein.

Der Zauberer, der aus Blumen mich zur Frau gewandelt,

verwandelte mich nun von einer Frau zur Eule –

das war die Strafe für meinen Verrat.

 

Bedeutung:

Blodeuwedds durchdringender Ruf ertönt in deinem Leben, um dich vor einem Treuebruch zu warnen. Auf welche Weise hast du mit Verrat oder Untreue zu tun? Hast du Probleme damit, vertrauenswürdige  Freunde, Partner oder Mitarbeiter zu finden? Wird deine Freundlichkeit, Fürsorge und Loyalität gegenüber anderen häufig nicht gewürdigt und du erfährst als Gegenleistung Verrat und Treulosigkeit? Hast du einen anderen Menschen in die Irre geführt, um deinen eigenen Vorteil zu sichern?

Blodeuwedd sagt, dass es nun auf deinem Weg zur Ganzheit nötig ist, der Frage ins Auge zu sehen: „Wie habe ich mich selbst betrogen?“ – Denn jeder Betrug hat seine Wurzeln im Selbstbetrug.

 

 

Mythologie:

Die walisische Erdgöttin Blodeuwedd wurde zum Lughnasadh-Fest (keltisches Erntefest) mit dem Sonnengott Llew Llaw Gyffes (Lugh) verheiratet. Ihr Name ist mit Treuebruch und Verrat verbunden, weil sie ihren Ehemann mit großer List ermordete: Die Prophezeiung sagte, dass Llew nur sterben könne, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt seien: Er müsse am Ufer eines Flusses unter einem strohgedeckten Dach über einem großen Kessel stehen und noch dazu mit einem Bein einen Hirsch berühren. Blodeuwedd brachte ihn dazu, genau diese Position einzunehmen und tötete ihn dann mit Hilfe ihres Liebsten. Genau betrachtet geht es bei dieser Geschichte um archetypische Kräfte: Blodeuwedd verkörpert die unersättliche Erdgöttin, die gierig das Blut des heiligen Königs sucht, um ihre Erde zu befruchten.

 

 

Abbildungen und Texte aus 

“Göttinnen Geflüster - Mit Orakel und Ritualen zur eigenen Kraft” 

von Amy Sophia Marashinsky / Hrana Janto 

mit freundlicher Genehmigung: © Schirner Verlag Darmstadt